Forschung

Ein Gen für Fettabbau entdeckt

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Um Fett auf-, ab- und umzubauen, muss der Organismus einen erheblichen Aufwand betreiben. Österreichische und deutsche Wissenschaftler haben nun ein wichtiges Stellrad in diesem komplizierten Mechanismus erforscht.

Biowissenschaftler der Universität Graz entdeckten im Erbgut ein Gen, das eine wichtige Rolle bei krankhafter Fettleibigkeit spielen könnte. Das neu entdeckte Gen heißt: Atgl-Gen.

Fehlt Versuchstieren dieses spezielle Gen, setzen sie Fett an, das sie nicht mehr abbauen können. Außerdem erkranken die Tiere an Herzleiden, was so weit geht, dass sie sogar an Herzversagen sterben.

Trotz der genetischen Einflüsse sei, so die Forscher, davon auszugehen, dass sich Fettleibigkeit in den meisten Fällen nicht allein auf die Gene zurückführen lässt. Vielmehr ist sie als komplexe Wechselwirkung zwischen dem Erbmaterial und dem jeweiligen Lebensstil der Menschen aufzufassen.

Dennoch besteht die Hoffnung, dass die neuen Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Medikamente beitragen. Medikamente, die bei Störungen des Fettabbaus helfen und damit krankhaftem Übergewicht sowie schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.

Neue Genvariante für Fettleibigkeit entdeckt

Zeigt die Waage nicht das Wunschgewicht, so kann die Ursache hierfür auch in den Genen liegen: Etwa zehn Prozent der Bevölkerung besitzen eine genetische Variante, die das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)* im Kindes- und Erwachsenenalter erhöht.

Adipositas gilt unter anderem als eine der Ursachen für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt und einige Krebsarten.

Ein internationales Forscherteam analysierte jetzt zum ersten Mal insgesamt rund 100.000 Genvarianten im menschlichen Erbgut. Dabei suchten die Wissenschaftler gezielt nach Auffälligkeiten, die bei Personen mit Übergewicht vermehrt auftreten.

Sie entdeckten eine Erbgutveränderung in der Nähe eines Gens, das den Fettstoffwechsel steuert. Die gefundene Genvariante rs7566605 kommt sowohl bei Menschen mit westeuropäischer wie auch mit afroamerikanischer Abstammung vor.

Die Forschergruppe um Professor Thomas Meitinger und Professor Erich Wichmann (GSF, München) zeigten an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe aus der Region Augsburg (KORA), dass Personen, die diese Genvariante tragen, 30 Prozent häufiger übergewichtig sind als Personen, die diese Genvariante nicht tragen.

Parallel dazu untersuchten Professor Johannes Hebebrand und sein Team (Universität Duisburg-Essen) diese Genvariante bei über 368 stark übergewichtigen Kindern und ihren Eltern – und wiesen klar nach, dass rs7566605 von Eltern gehäuft an ihre übergewichtigen Kinder vererbt wird.

Weitere genetische Ursachen für Übergewicht?

Die Untersuchungen sollen jetzt fortgeführt werden, um weitere genetische Ursachen für Übergewicht und Fettleibigkeit zu identifizieren. „Wir hoffen, dass wir so die molekularen Prozesse aufklären können, die uns dick werden lassen. Das ist eine Voraussetzung, um effektive Medikamente entwickeln zu können, die Patienten mit Adipositas helfen“, erklärt Hebebrand, Koordinator des Genomnetzes „Adipositas“.

Das Genomnetz wird als ein Bestandteil des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) seit 2001 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ob eine Person schnell oder langsam zunimmt, wird zu circa 50 Prozent durch das Erbgut bestimmt. Es sind bereits mehrere Gene bekannt, die das Gewicht beeinflussen.

Abgesehen von extrem seltenen genetischen Varianten, so genannten monogenen Formen, machen die Gene allein aber nicht dick – auch nicht die neu entdeckte Genvariante rs7566605.

Vielmehr führt die Kombination aus genetischen Faktoren und Lebensstil bei veränderten Umweltbedingungen wie einer energiereichen Ernährung und mangelnder Bewegung dazu, dass wir stark zunehmen“, warnt Johannes Hebebrand klar.

Die gesundheitspolitische Bedeutung der Adipositas ist enorm: Der Epidemiologe Erich Wichmann betont, dass sich die Zahl der Fettleibigen in Deutschland in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat. Bereits jede dritte Frau und jeder vierte Mann sind hierzulande adipös.

Die vollständigen Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

* Der Unterschied zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit/Adipositas wird über den Body-Mass-Index (BMI; Gewicht/(Größe)2 in kg/m2) definiert. Von Übergewicht spricht man ab einem BMI von 25, von Adipositas ab 30 kg/m2.